50 Cent kommt am 04.03.2010 nach Neu Isenburg....
Sayfoudin
März 2010
Im Frankfurter Gallusviertel haben wir uns mit Sayfoudin getroffen und über die aktuelle Problematik in Sachen Islamphobie, seinen neuen Song „Wir halten dagegen“ und das Label 114 gesprochen. Dabei erfuhren wir auch etwas über die Geschichte des Labels und die Arbeiten an seinem Soloalbum.
Magst Du kurz ein paar Worte zu Deiner Person sagen?
Sayfoudin: Musikalisch gesehen komme ich aus Frankfurt, bin ein Frankfurter Bub‘. Ich war in den 1990er Jahren sehr aktiv, bin viel rumgekommen und konnte auch den einen oder anderen Contest gewinnen. Da ich marokkanisch-italienischer Herkunft bin, schwingt in meiner Musik auch immer das orientalische ein wenig mit. Ich habe lange Zeit gerappt, bis meine Mutter krank wurde, was eine Wende in meinem Leben darstellte. Ich hab eine lange Pause gemacht und machte mir sehr viele Gedanken über das Leben- zudem war ich nicht gerade der Musterknabe. Danach habe ich angefangen zu produzieren und es sind einige Sachen zustande gekommen, wie zum Beispiel auf dem ersten und zweiten Ammar114 Album oder einige Songs bei Serkan114.
Vor kurzem kam der Song „Wir halten dagegen“ heraus, der sich gegen die Islamphobie richtet. Kannst Du was dazu erzählen?
Sayfoudin: Der Anlass den Song zu machen, war eigentlich der ganze Mist, der von den Leuten erzählt wird, die in der Öffentlichkeit stehen und wirklichen Einfluss haben. Es geht dabei weniger um die kleinen Lichter, die zwar auch gefährlich sein können, sich aber in erster Linie von solchen Menschen blenden lassen. Koray Sen hat mir einen Beat geschickt, der eigentlich für mein Album geplant war, den ich dann aber so fett fand, dass ich Ammar fragte, ob er Lust hat besagten Track daraus zu machen. In erster Linie ging es darum, einige Dinge klarzustellen, denn es kann nicht angehen, dass wir immer einstecken müssen und dazu nur schweigen. Dialog ist sehr wichtig, aber manchmal müssen die Sachen auch beim Namen genannt werden.
Wie war das bisherige Feedback zu dem Song?
Sayfoudin: Sehr gut. Wir haben die Medien rundum informiert und es waren auch einige daran interessiert, darüber zu berichten. Aber die wichtigste Zielgruppe, das Volk, hat den Song wirklich gut aufgenommen. Natürlich gibt es immer die einen oder anderen Hater, die dann mit Themen wie Afghanistan versuchen, den Krieg auf unsere Straßen zu bringen, doch der Tenor war durchweg positiv.
Wie nimmst Du als Moslem das Leben in Deutschland, speziell auch in Frankfurt, wahr?
Sayfoudin: Lass es mich so sagen: ich muss nicht um mein Leben fürchten, aber es hat sich schon einiges geändert, sowohl im Freundeskreis als auch generell in meinem Umfeld. Wenn ich zum Beispiel faste, heißt es mit einem Lächeln “Na, sind wir zu den Talibans übergetreten“. Doch ich denke, dass es da die Frauen mit Kopftuch und die Jungs mit Bärten schwieriger haben, als ich mit Blicken und Sprüchen.
Es haben sich die Dinge also zum Negativen verändert?
Sayfoudin: Ja, in mancher Hinsicht schon. Nimm zum Beispiel diese ganze Ehrenmord-Geschichte. Wenn ein Araber oder ein Türke einen Sohn/Tochter umbringt, weil er irgendwelchen Traditionen folgt und nicht dem Islam, wird es gleich mit Ehrenmord angeprangert und als islamisch dargestellt. Passiert dasselbe zum Beispiel bei einer deutschen oder italienischen Familie, ist es ein Familiendrama. Es gibt in dieser Hinsicht keine Differenzierung mehr, alles wird pauschalisiert.
Gibt es auch positive Veränderungen?
Sayfoudin: Was sich sehr stark zum Positiven verändert hat ist beispielsweise, wie der Islam nach außen hin auftreten kann. Als ich in den 1980er Jahren noch ein Kind war und mit meinem Vater zur Moschee gegangen bin, war das wenig mehr als eine Garage. Heute gibt es schöne Moscheen.
Wie siehst Du das Thema Integration in Frankfurt?
Sayfoudin: Es ist immer noch sehr wichtig. Doch es gibt einen Unterschied! Heute wird gesagt „Wir müssen jetzt mit den Muslimen zusammenarbeiten“ und nicht mehr „Wir müssen mit denen zusammenarbeiten, die integriert werden müssen“. Was die Arbeit sehr schwierig macht, sind die Schlagzeilen, die oft von Arabern oder Türken auf neu deutsch „Islamisten“ genannt werde und wie so oft müssen es die ausbaden, die nichts mit diesen Menschen zu tun haben. Es muss viel mehr passieren. Eine Islam-Konferenz einzuberufen und dann zu hoffen, dass ein Fortschritt passiert, ist nicht genug. Es muss bei den Menschen und vor allem bei den Jugendlichen ankommen. Wo ist die Integration, wenn es am Ende heißt: Kopftuchverbot! Das ist Ausgrenzung, allerdings auch für Christen oder Juden. Wie soll denn ein deutscher Jugendlicher lernen, warum zum Beispiel Fatima ein Kopftuch trägt oder Mose eine Kippa?
Zurück zum musikalischen. Euer Label 114. Was habt ihr bisher auf die Beine gestellt?
Sayfoudin: Wir wollen Brücken bauen und Dialoge schaffen. Im Hip-Hop Bereich haben wir auf jeden Fall eine neue Sparte aufgemacht und es geht uns in erster Linie darum, eine Message zu verbreiten. Der Name ist vom Koran inspiriert, der 114 Suren hat. Wir sind schon viel herumgekommen: Österreich, Schweiz und letzes Jahr haben wir eine Türkei-Tour gemacht. Mit einem Ammar-Song haben wir es geschafft, in einem Schulbuch genannt zu werden. Mittlerweile haben wir drei LPs und einen kleinen Sampler released. Es ist also schon einiges.
Und wo geht es hin mit 114?
Sayfoudin: Wir wollen als Label eine Alternative darstellen, gerade auch für junge Muslime. Dieses Jahr kommt noch „10 Jahre Ammar“ heraus und ich arbeite gerade an meinem Soloalbum. Doch ist es auch für uns schwer geworden denn der illegale Download macht auch bei uns nicht Halt und das spüren wir. Mal schauen was kommt.
Um es klar zu stellen: ihr wollt aber nicht nur Musik für Muslime machen?
Sayfoudin: Ja, vollkommen richtig. Wir wollen vor allem einfach gute Musik machen. Musik für alle, die mitdenken wollen. Es geht auch darum, Worte und Flows dazu zu nutzen, um aufzuklären.
Kannst Du schon was zu Deinem Soloalbum erzählen?
Sayfoudin: Im Prinzip habe ich bereits 2000 damit angefangen, (lacht) aber wie das Leben so spielt. Ich arbeite daran, will aber vorher auf jeden Fall erst noch ein paar Songs von mir raus hauen. Noch bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es eine Album oder eine EP wird. Ich hoffe aber, dass es noch dieses Jahr raus kommt. Unter www.sayfoudin.de ist man über meine Projekte immer auf dem neusten Stand.
Dann danke ich Dir für Deine Zeit und die letzten Worte gehören Dir.
Sayfoudin: Lasst uns den Hip-Hop da hin bringen, wo er einmal war und versuchen, alle gemeinsam ein lebenswertes Leben zu führen.
Autor: Andreas Schnell















